Testberichte

LOWEPRO FLIPSIDE SPORT 15 L – KANN FAST ALLES AUSSER SCHWIMMEN

Nachdem ich in der fotorucksacklose Phase mit verschiedenen Inlays, kleineren Fototaschen und diversen “normalen” Rucksäcken jongliert habe, sollte es nun endlich ein bequemes Teil mit Rückenöffnung sein. Meiner Meinung nach gibt´s nichts Besseres als diese Beladungslösung!

DSC01178An der Front oder Seite kann das Stativ bleiben, kein umständliches Handling am Stativ vorbei oder durch die Regenhülle, einfach auf den Boden legen oder wie einen Bauchladen vor sich mit fixiertem Beckengurt öffnen und alles ist problemlos erreichbar.

Der Lowepro 15 L war in dem knalligen Orange im Angebot, also habe ich zugeschlagen. Die Farbe ist Geschmackssache, aber tatsächlich ist es oft sinnvoll, gut gesehen zu werden, wenn man im Bilderflow irgendwo verträumt auf der Autobahn herumsteht ;)

Das Modell gibt es auch in blau und in einer 10 L – Version.

 

 

Zu den Features:

DSC01193Zwei verstellbare Schlaufen für Trekkingstöcke befinden sich an der Frontseite sowie zwei entsprechende Schlaufen am Boden. Wenn    man ohne Trekkingstöcke unterwegs ist, kann an den oberen auch eine Signallampe für die Nachtsessions oder ein kleines Zusatzstativ  untergebracht werden.

Die Seitentasche hat ein kleines Netzfach innen und fasst locker eine Flasche Wasser, Geldbörse, Handy und Sonnenbrille.

 

DSC01192Auf der anderen Seite sind zwei breite Schlaufen angenäht, wo ein großes Stativ eingehängt wird, zusätzlich kann man mit den zwei großen Laschen das Stativ “einpacken” und mit zwei Gurten fest fixieren. Da wackelt nichts!

Die Schultergurte sowie das Rückenteil sind mit Meshgewebe versehen und sehr bequem. Ein Brustgurt sorgt zusätzlich für guten Halt. Auch voll beladen zwickt und drückt nichts.

DSC01200Die Rückenplatte lässt sich gut mit dem Zwei-Wege-RV öffnen und gibt den Blick frei in das herausnehmbare Inlay, was reichlich Platz bietet. Mit einem MfT-System bringe ich die Kamera plus 5 Objektive unter sowie die üblichen Kleinteile (Akku, Tuch, Zwischenringe, etc). Da mir eine Unterteilung fehlte, sieht man unten links ein gelbes Teil, was aus einer Kameratasche stammt. Zusätzlich findet unter der Kamera sogar noch eine dünne Jacke Platz. Zudem bietet der Deckel selbst noch eine RV-Tasche. Sehr gut!

Denn, und da kommen wir nun zu den Mankos: Große Trekkingsprünge kann man mit dem Backpack nicht machen. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau. Wenn man auf das Stativ verzichtet oder ein kleines mitnimmt, bekommt man an die Seite noch eine 2-3 L – Außentasche, die man mit Nahrung und / oder Zusatzklamotten befüllen kann.

 

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Das zweite und dritte Problem ist hausgemacht und ich verstehe die Designer solcher Spezialrucksäcke in der Hinsicht nicht. Bei dem Vorgängermodell, was ich kurz besessen (und dann wieder verkauft habe), war die Hüftgurtkonstruktion exakt die gleiche und da ich die Bauchladenfunktion sehr oft nutze, sind tatsächlich irgendwann die Hüftgurte aus der Schlaufe gerutscht (weil die Enden nicht umgenäht sind … grrrr!) und alles rauschte der Schwerkraft folgend nach unten. Zum Glück waren die RVs noch geschlossen, sonst wäre einiges zu Bruch gegangen! Seitdem ziehe ich die Gurte weiter durch die Lasche und fädele sie “rückwärts” noch mal ein (s. Foto).

Nummer drei lautet Regenhülle und ist grau. Der Rucksack knallig und ausgerechnet die Regenhülle in einer Schnarchfarbe. Wäre noch zu verschmerzen, aber sie sitzt auch noch wie ein Neoprenanzug am Taucher. Eng! D.h. der Regenspaß tendiert schon bei mittlerer Beladung gegen null und nach einer halben Stunde Nässe stellen sich langsam Sorgen um das Equipment ein, weil die Hülle den Reißverschluss nicht verdeckt und sich oben auch nicht fixieren lässt. Ich versteh´s nicht! Nun ist der Rucksack auf Dauer sowieso nicht ganz wasserdicht, aber ein bisschen mehr Spielraum hätte ich schon gerne.

DSC01186Wenn man das Equipment vor Nässe schützen will, kann man die Inlay-Hülle an der Oberseite zuziehen oder in einen wasserdichten Packsack einer einschlägig bekannten Marke für Wasserdichtigkeit einpacken, aber wer will sich schon einen Schnellzugriff auf die Kamera derart verbauen? Die probatere Lösung ist sicher eine “externe” größere Rucksackregenhülle.

Nichts ist perfekt und so bin ich eigentlich ziemlich zufrieden, was den Tragekomfort und die Features für kurze Fototouren angeht. Das Hüftgurtproblem ist lösbar und nach jedem Regen kommt auch wieder Sonne ;) Also alles in Allem durchaus eine Empfehlung!

 

 

HAGLÖFS BARRIER HOOD II VS. BARRIER HOOD III – EIN FORTSCHRITT?

Die Haglöfs Barrier – Jacket gehört zu den leichtesten Kunstfaserjacken auf dem Outdoor-Markt und ist mittlerweile in der dritten Generation der Überarbeitung angelangt.

Mich hat interessiert, an welchen Stellen Haglöfs optimiert hat und vor Allem, ob sich die Wärmeleistung wie angekündigt wirklich verbessert hat.

Erstmal zu den trockenen Fakten: Die Barrier II ist laut Beschreibung mit 640 g bei Größe L etwas schwerer als das Nachfolgemodell Barrier III (555 g). Allerdings ist die 2er mit 74 cm Rückenlänge (ebenfalls bei Größe L) etwas kürzer als die 3er (77cm). Auch wenn es nur 3 cm sind, sie können den Unterschied machen   .

Das Gewicht des Isolationsgewebes wird bei der Barrier III mit 120 g/qm im Rumpfbereich und mit 80 g/qm in den Ärmeln bzw. der Kapuze angegeben.

Die Barrier II konnte hier noch mit 150 g/qm bzw. 100 g/qm aufwarten. Das macht die Fragestellung natürlich noch spannender. Ob Haglöfs die vollmundige Ankündigung “Isolierung mit einem verbesserten Wärme- und Gewichtsverhältnis” in Bezug auf die Barrier III wahrmachen kann?

Das Füllmaterial ist in der 2er – Generation noch mit “Tri-Fusion-Eco” (bluesign-zertifiziertes recyceltes Polyester) angegeben, wohingegen die Füllung der Barrier III den vielversprechenden Namen “Quadfusion” trägt (ebenso bluesign-zertifiziert und recycelt). Diese wird natürlich als eine der besten Isolationsmaterialien auf dem Markt angepriesen.

Was beide Jacken gemeinsam haben, ist der hinterlegte Reißverschluss in ganzer Länge (man sollte je nach Haltung den Zipper “mit Gefühl bedienen”, da man sich sonst die dünne Innen- bzw. Außenschicht schonmal einklemmen kann), den obligatorischen Kinnschutz, der Schirm vorne an der (verstellbaren) Kapuze und den Aufhänger unter der Kapuze an der Außenseite. Beide lassen sich platzsparend in ihrer Seitentasche verstauen.

Die Barrier II hatte eine Verstellmöglichkeit mehr an der Kapuze (sie konnte noch zusätzlich nach hinten bzw. unten verstellt werden, ich empfinde die Verstellmöglichkeiten an der Barrier III aber als ausreichend (“zuziehen” und “enger stellen”). Die im Gewebe “versenkten” Kordelstopper der Barrier III sind ein nettes Gimmick, da sie im Gegensatz zur Barrier II Wasser und Wind vorne immerhin zwei Eintrittstore weniger bieten. Man muss sie beim Verstellen halt kurz ertasten.

Bei der Barrier II haben mich die Ärmelbündchen gestört, da sie scheinbar aus Baumwolle waren und – einmal nass geworden – eine sehr lange Trocknungszeit benötigten. Im Winter konnte es somit schonmal unangenehm nass und kühl um die Handgelenke werden. Ab und zu konnte sich auch mal das Innenfutter der Ärmel mit durch die Öffnung nach außen stülpen, durch eine gute Vernähung der Innenseite ist dies bei der Barrier III aber nicht mehr der Fall. Apropos Innenseite: Beide Modelle sehen im Kragenbereich bereits nach einer kurzen Tragezeit “speckig” aus, aber das lässt sich bei dieser dünnen und glatten Kunstfaserschicht wohl nicht vermeiden.

Wasser und Schnee perlen ansonsten bei beiden Jacken sehr gut ab und selbst bei intensiverem Regen haben sie mich im Temperaturbereich von 0-5 °C und Wind wärmemäßig nicht im Stich gelassen. Allerdings wurde es nach ca. zwei Stunden Niederschlag auch langsam innerhalb der Jacke feuchter. Man sollte darüber hinaus bei der Wärmeleistung unterhalb des Gefrierpunktes keine Wunder erwarten. Die Jacken sind als extrem leichte Wärmeschicht gedacht und das schlägt sich halt dann in der Isolationsfähigkeit nieder.

Nach kompletter Durchnässung (z.B. Wäsche) brauchen beide Jacken ungefähr 12-14 Stunden  (die 2er etwas länger), um wieder angenehm “tragbar trocken” zu sein. In der freien Natur wird man selten so lange warten wollen und lässt sie wohl eher am Körper trocknen, zumal sie auch im feuchten Zustand einigermaßen gut wärmt. Die Zeitangabe ist natürlich nur ein Anhaltspunkt und variiert “im Einsatz” je nach Außentemperatur und Windstärke.

Dass die Jacke nicht gerade zusammen mit Jeans mit geöffneten Reißverschlüssen gewaschen werden sollte sondern eher einzeln, versteht sich bei diesem dünnen Material von selbst. Auch vermeide ich Schleudergänge höher als 800 U/min. Danach wird sie kurz ein bisschen “geknautscht”, geschüttelt und flach zum Trocknen hingelegt, damit sich die Füllung optimal aufrichten kann. Haglöfs empfiehlt im Trockner als Beilage einen Tennisball, um die Füllung zu entfalten. Es gibt auch Spezialflüssigwaschmittel (4,00 € für 100 ml), dass angeblich besonders nett zu dem Füllmaterial ist. Ich lasse das einfach mal umkommentiert so stehen.

Was in einigen Kundenrezensionen auf einschlägigen Shopseiten positiv hervorgehoben wird, ist der „Hauch von Nichts“, den man anhat und der trotzdem wärmt. Sogar einige Fleecejacken sind schwerer. Ich kann das nur bestätigen. Das Verhältnis von Gewicht zur Wärmeleistung ist in der Tat beeindruckend. Aber wie schlagen sich die beiden Jacken im Vergleich und für welchen Temperaturbereich sind sie ausgelegt?

Wenig überraschend entscheidet die etwas schwerere Barrier II das Rennen um die  Warmhaltemedaille für sich. Bei gleichen Wetterbedingungen (0 °C Außentemperatur, kein Wind, kein Niederschlag, Morgensonne) und mäßiger Bewegung zeigt das Thermometer an der Innenschicht der Jacke nach einer Stunde bei der Barrier II 18,3 °C an, bei der Barrier III aber nur 16,3 °C. Das Messergebnis kann ich nach subjektiven Eindrücken von einigen Winterwanderungen nur bestätigen. Von einer verbesserten Wärmeleistung kann hier also nicht die Rede sein.

Das Mikroklima ist aber bei intensiverer Bewegung sehr angenehm, da beide Jacken nicht 100%ig winddicht sind.

Fazit:

Von der Verarbeitungsqualität her würde ich sagen, dass die Barrier III einen leichten Fortschritt darstellt. Das Außenmaterial ist etwas robuster (Pertex Classic mit 50 D Ripstop-Gewebe statt 30 D), das Innenfutter besser vernäht und die Ärmelbündchen trocknen wesentlich schneller. Allerdings verstehe ich nicht, warum Haglöfs gerade mal ca. 100 g gespart hat, wo doch (meiner Meinung nach) die Wärmeleistung im Vordergrund stehen sollte. Und die Innentasche vermisse ich beim neuen Modell auch. Wer also eine Winterjacke für untergefrierpunktige Temperaturen und bewegungsarme Aktivitäten (Warten auf Godot, Fotografieren) sucht, wird hier nicht glücklich und sollte auf die zweite Generation oder eine (etwas schwerere) Daunenjacke zurückgreifen. Für die Leute, die auf jedes Gramm achten und sich dabei auch noch bewegen, dürfte die Barrier III die eierlegende Isolationsmilchsau sein.

Informationen und Fotos zur Jacke sind auf der Haglöfs-Seite zu finden.

 

 

VAUDE MEN’S DOLENT HOODED JACKET – EIN (FAST) PERFEKTER WINDSTOPPER

Mit der Vokabel “perfekt” bin ich ja eigentlich nicht so gut befreundet, denn irgendwann kommt doch das Wetter, nach dem man diese Aussage bereut ;)

Aber der Reihe nach.

Die Jacke kommt mit “Green Shape” – Label… ist dafür aber vorher um die halbe Welt geschippert (aus China). Ob sich beides ökobilanzig gegeneinander aufwiegt, sei mal dahingestellt. Aber ich bin so überzeugt von dem guten Stück, dass ich gerne meinen Beitrag zur Nachhaltigkeit leiste, indem ich es so lange wie möglich trage.

Zu den Details:

Die Reißverschlüsse der Fronttaschen sind etwas höhergesetzt, also hüftgurttauglich, und mit einer Leiste hinterlegt, die dafür sorgt, dass sich das Netzfutter nicht verhaken kann und „Restwind“ abhält. Die Taschen sind riesig (!) (von unten bis Brusthöhe) und aus Netzfutter, können also auch als Belüftungsöffnung dienen. Zusätzlich gibt es eine Brusttasche außen, eine „Secret Pocket“ innen und zwei Belüftungsreißverschlüsse unter den Armen. Der untere Bund ist per Kordelzug und -stoppern verstellbar.

Die Jacke schließt am Hals hoch ab, was je nach Haltung dazu führt, das der obere Rand etwas auf den Hals drücken kann, zumal der elastische Bund der Kapuze auch relativ eng geschnitten ist. Allerdings ist diese Konstruktion fürs Radfahren optimal. Die Kinnschutzlasche könnte vielleicht noch etwas breiter sein. Bei mir liegt der Kragen mit dem Bund der Kapuze (kein “Windfang”!) optimal am Hals an, allerdings trage ich zusätzlich fast immer ein Buff, damit von oben keine kalte Luft eindringen kann und sich mein Dreitagebart nicht verhakt ;) Aber die Jacke schützt auch gut „oben ohne“.

Aufgezogen liegt die Kapuze passend bis eng an und schränkt die Drehung des Kopfes (gerade bei Brillenträgern) ziemlich ein. Als „Notkopfbedeckung“ hält sie bei eisigen Temperaturen aber gut warm. Verstellbar wäre schön gewesen und kommt auf den Wunschzettel an Vaude.

Kurze Regenschauer verkraftet die Jacke ohne Probleme, das Wasser perlt gut ab und innen bleibt die Jacke auch für die ersten 15-20 Minuten trocken. Dann wird es an den Schultern langsam, aber sicher etwas feucht.

Bei ca. 18 °C, null Regen und moderatem Wind mit einem Merinoshirt als erste Lage “klebt” die Jacke trotz Schweißbildung nach 10 km auf dem Rad dank des Waffelfleece auf der Innenseite nicht auf der Haut und die Zwei-Wege-Belüftungszipper unter den Armen lassen sich einhändig ihrer Bestimmung zuführen.

 

Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt und strammem Wind bleibe ich beim Radfahren mit einem Longsleeve und einem leichten 100er Fleece dank „Windproof 100“ und Innenfutter angenehm warm. Allerdings würde ich diese Temperaturen vom Gefühl her als Grenzbereich dieses Windstoppers bezeichnen. Bei bewegungsintensiveren Aktivitäten wie Langlauf oder einer dickeren mittleren Schicht ist da sicher noch mehr Spielraum. Und dank der kleinen Kapuze und des schlanken Schnitts kann die Dolent Hooded Jacket auch als zweite Lage getragen werden. Bei ca. 1,76 m Körpergröße rate ich übrigens zur Größe S / 48.

Leider ist der große Zwei-Wege-Front-Reißverschluss etwas fummelig einzuführen, läuft dann aber gut und ist natürlich auf der ganzen Länge hinterlegt. Die Lasche ist zusätzlich mit einem Band übernäht, die wohl das Einklemmen und den Abrieb derselben verhindern soll.

Die Armabschlüsse sind auf der Oberseite, wo sich auch ein Klettverschluss befindet, etwas länger und ragen sozusagen als Windschutzlasche ein wenig über den Handrücken. Die Unterseite ist etwas kürzer und schließt im Gegensatz zur Oberseite mit einem elastischen Bund ab. Optisch Geschmackssache, aber ich find´s praktisch. Nur die Klettlaschen zum Verstellen der Ärmel könnten vielleicht etwas länger sein.

Insgesamt ist die Jacke gut verarbeitet, der Oberstoff (88 % Polyester und 12 % Elastan) zeigt sich auch nach einigen Wochen mit Rucksack- oder Kuriertaschenkontakt abriebfest und die Nähte sind sauber gearbeitet. Die winddichte Membran besteht aus 100 % Polyurethan und das Fleecefutter aus 100 % Polyester. Das Gesamtgewicht liegt bei ungefähr 550 g.

Für diejenigen, die es etwas „luftiger“ mögen, hat Vaude auch einige “Windproof 80″- Produkte im Programm.

Meine Wertung: Gut verarbeiteter Windstopper mit durchdachten Details. 9 von 10 Punkten :)